bvse | 10 Fragen & Antworten zum Textilrecycling
Der Fachverband Textilrecycling (Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.) beantwortet transparent die zehn wichtigsten Fragen rund um das Thema Textilrecycling.(PDF, 252 KB)
1. Welche Altkleider-Mengen fallen an und warum?
Allein in Deutschland beträgt das Altkleideraufkommen etwa 750.000 Tonnen pro Jahr. Kleidung unterliegt immer schnelllebigeren Trends und große Modeketten bringen ständig neue Kollektionen auf den Markt. Entsprechend häufig wird Neues gekauft, derzeit rund 24 kg pro Bundesbürger und Jahr. Das Erworbene wird ebenso schnell wieder aussortiert, auch wenn die Textilien noch lange nicht abgetragen oder zerschlissen sind.
2. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen karitativen Einrichtungen und den gewerblichen Verwertungsbetrieben?
Alttextilien werden in Deutschland auf unterschiedliche Arten gesammelt. Zum Beispiel durch Haussammlungen, Straßen und Containersammlungen, zum Teil aber auch durch direkte Abgabe bei Kleiderkammern. Altkleidersammlung erfordert in jedem Fall Logistik. Die Erfassung, Aufbereitung, Sortierung und Vermarktung der Gebrauchtkleider ist personal- und kostenintensiv. Die Bestandteile, die nicht für den Weitergebrauch geeignet sind, müssen aussortiert und entsorgt werden. Kirchliche und soziale Einrichtungen, die Textilsammlungen betreiben, können dies selbst nicht leisten. Deshalb setzen sie auf die Unterstützung professioneller Verwertungsunternehmen. Von diesen erhalten sie eine Vergütung für die gesammelten Altkleider. Das so erwirtschaftete Geld verwenden die Organisationen für ihre gemeinnützigen Projekte als freie finanzielle Mittel. So können Sie ihre Kräfte voll auf ihre
eigentliche Tätigkeit konzentrieren.
3. Warum werden Altkleider überhaupt exportiert? Gibt es nicht in Deutschland genügend Bedürftige, die die Altkleider gut gebrauchen könnten?
In der Regel haben die kirchlichen und karitativen Organisationen die Möglichkeit, Kleidung für ihre Kleiderkammern aus den Sammlungen zu entnehmen, mit denen sie Bedürftigen vor Ort direkt helfen können. Der Bedarf ist aber bei weitem nicht so groß wie das Sammelaufkommen. Deshalb ist es sinnvoll, die Überschüsse weiterzuverwenden. Für gut erhaltene gebrauchte Kleidung gibt es einen weltweiten Bedarf.
4. Warum bevorzugen viele Menschen in Afrika oder Osteuropa Second-Hand-Kleidung?
Second-Hand-Kleidung ist oft nur wenige Monate getragen damit aktuell und modisch. Die große Auswahl wird von den Käufern besonders geschätzt. Auch in Afrika möchten die Menschen mit einem individuellen Kleidungsstil ihre Persönlichkeit unterstreichen und an Modetrends teilhaben. Im Gegensatz zu Billigimporten aus Asien besteht Second-Hand-Kleidung meist aus Baumwolle und nicht aus Kunstfasern. Das hat sowohl qualitative als auch hygienische Vorteile. Insgesamt ermöglicht die Ware den Menschen vor Ort, zu verhältnismäßig günstigen Preisen modische, gut erhaltene und qualitativ hochwertige Kleidung zu erwerben.
5. Schadet der Export von Second-Hand-Kleidung der Textilindustrie in den Empfängerländern?
Die Probleme der Textilindustrie, beispielsweise in Tansania haben viele Dimensionen. Zum einen haben asiatische Textilhersteller die afrikanischen Märkte mit billiger Kleidung überschwemmt. Ein Schicksal, dass im Übrigen auch die europäische Textilindustrie getroffen hat. Veraltete Maschinen und hohe Energiekosten sorgen zusätzlich für schlechte Wettbewerbsbedingungen. Untersuchungen des Fachverbands FairWertung zeigen überdies, dass die tansanische Textilindustrie meist traditionelle Stoffe produziert, die für Alltagskleidung jedoch kaum nachgefragt werden. Die Produktionsmengen, Qualität und Produktivität seien oft relativ gering. Deshalb ist höchst zweifelhaft, ob die lokale Wirtschaft den Bedarf an Kleidung überhaupt decken könnte.
6. Wie entstehen in Afrika Arbeitsplätze durch Alttextilien?
Die große Nachfrage nach moderner und hochwertiger Kleidung zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis hat viele neue Verdienstmöglichkeiten geschaffen. Tausende Menschen bestreiten ihren Lebensunterhalt mit dem Handel von Altkleidern oder dem Umarbeiten von Kleidungsstücken auf afrikanische Bedürfnisse.
7. Warum ist die Weiterverwendung von Altkleidern ökologisch?
Der Anbau von Baumwolle als Rohstoff für die Textilindustrie ist sehr wasserintensiv. Gerade in Regionen, in denen Wasser knapp ist, ist das problematisch. Darüber hinaus wird durch die oftmals hohe Düngung und den Pestizideinsatz auf den Baumwoll-Monokulturen viel CO2 frei. Die Weiterverwendung von gebrauchten Kleidern spart Ressourcen und ist deshalb nicht nur ökonomisch sondern auch ökologisch sinnvoll.
8. Sollen die Verbraucher auch weiterhin Ihre Altkleider in die Sammelcontainer kirchlicher und karitativer Organisationen geben?
Viele Verbraucher sind verunsichert, ob sie damit wirklich Gutes tun. Kleider an gemeinnützige Organisationen zu geben, ist auf jeden Fall sinnvoll, denn mit dem Geld, welches die Organisationen so erwirtschaften, können sie ihr soziales Engagement fortsetzten. Wer seine Altkleider hier spendet, leistet auf jeden Fall einen Beitrag zu den vielfältigen Projekten der kirchlichen und karitativen Organisationen. Außerdem kommen die Altkleider Bedürftigen zu Gute. Die Wiederverwendung schützt Ressourcen und hilft vielen Menschen in Entwicklungsländern, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. In den Hausmüll gehören tragbare Textilien nicht. Hier werden sie keiner sinnvollen Verwertung zugeführt, sondern gelangen in die Müllverbrennung. Die Bürger sollten weiterhin die kostenfreie Möglichkeit nutzen, gut erhaltene Kleidung in die bestehenden Sammlungen zu geben.
9. Was ist die Alternative zum Export von Alttextilien?
Die regelrechten „Altkleiderberge“ in Deutschland sind nicht wegzudiskutieren. Der bvse ist überzeugt, dass eine Wiederverwendung der Bekleidung als Second-Hand-Ware in anderen Ländern ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist. Zu dieser Wiederverwendung gibt es keine Alternative. Die Verbrennung brauchbarer Kleidung wäre eine nicht zu rechtfertigende Verschwendung von Ressourcen.
Die Verbraucher können aber schon durch bewussteren Konsum helfen, Ressourcen zu schonen. Beispielsweise durch den Kauf von wenigen aber dafür hochwertigen Kleidungsstücken, die man meist länger tragen kann. Darüber hinaus liegt es in der Hand der Verbraucher, an welche Sammler sie ihre Altkleider geben, damit sie ökologisch und ökonomisch sinnvoll weiterverwendet werden.
10. Wie können die Verbraucher sicher sein, dass es sich um eine seriöse Sammlung handelt?
Wie in allen Branchen gibt es leider auch unter den Textilsammlern schwarze Schafe. Dubiose Kleidersammlungen führen Verbraucher oft in die Irre, denn sie täuschen einen guten Zweck nur vor. Grundsätzlich sollten die Verbraucher darauf achten, dass der Sammler erkennbar ist: Handelt es sich beispielsweise um eine bekannte Organisation, von der man weiß, dass sie vertrauenswürdig ist? Wenn der Sammler nicht identifizierbar ist oder nur eine Handynummer auf dem Sammelbehälter angegeben ist, ist Vorsicht geboten. Das gilt oft auch für sogenannte „Haussammlungen“ bei denen Körbe und Eimer vor den Haushalten platziert werden. Grundsätzlich können Verbraucher davon ausgehen, dass seriöse Sammler ansprechbar sind und über die Verwendung der Altkleider informieren, beispielsweise im Internet.
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